| Vor Gott und dem Gesetz mögen alle Menschen gleich sein, auf dem Laufsteg sind alle Mannequins verschieden. Im Turnus von sechs Monaten bringen kleine und große Modehäuser ihre neuesten Kollektionen auf die Bühne; hin und wieder mag da mehr Show sein als schöner Kleiderschein, zumeist aber glänzt dort, wenn auch nicht immer tragbare, so doch zumeist kreative Differenz. Fashion now versammelt die Entwürfe und Fantasien von 150 der wichtigsten Modemacher und Designer, die die immer schon etwas andere, für ihr Gespür und ihre prophetische Gabe in Haut-Couture-Angelegenheiten bekannte Style-Zeitschrift i-D zusammengestellt haben: Da finden sich Arcimboldo-Anleihen von Junya Watanabe neben Altmeisterinnen und Altmeistern des Gewerbes wie Donatella Versace, Prada, Tom Ford oder Paul Smith, große alte Damen der Rebellion wie Vivienne Westwood neben neuen Wilden wie Walter van Beirendonck ("My goal is to change the boundaries of fashion"). Und wer will -- und das nötige Kleingeld besitzt --, der kann, nachdem er sich in Fashion now Appetit geholt hat, auch noch in die Modepaläste der Großstädte wandern, die ein Anhang aufführt. Wie jedes Fashion-Buch und jede Modezeitschrift, so krankt auch Fashion now ein wenig an der Tatsache, dass man zwischen den Fotografien der Blattmacher und den Werbeaufnahmen der Modehäuser nicht immer klar unterscheiden kann. Deutlich wird das am Ende, wo die "Sponsoren" der Publikation wie Diesel oder Armani ihre Plakatideale präsentieren. Trotzdem: Fashion now ist ein bunter, teils schriller, teils eleganter, immer aber abwechslungsreicher Querschnitt durch die gegenwärtige Modelandschaft. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit natürlich, dafür aber voller repräsentativer Verschiedenheit. --Thomas Köster |
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